Einleitung und Zielsetzung
JurShare deckt jene Datenwege einer Anwaltskanzlei oder eines Notariats ab, die nicht über die Justizplattform justitia.swiss laufen: Mandantschaft, Gegenparteien, Versicherungen, Notariate, Banken, Treuhand, kooperierende Kanzleien. Diese Vertraulichkeit erfordert ein Sicherheitsniveau, das deutlich über dem typischer Cloud-Filesharing-Anbieter liegt.
Dieses Whitepaper beschreibt offen, wie wir bei der Swissmakers GmbH dieses Sicherheitsniveau technisch und organisatorisch umsetzen. Es richtet sich an:
- IT-Sicherheitsverantwortliche und Datenschutzberatende, die JurShare evaluieren;
- Kanzleiführungen, die die Compliance-Tauglichkeit beurteilen müssen;
- Auditoren und Aufsichtsbehörden, die Nachweise zur Schutzwirkung verlangen;
- technisch interessierte Anwältinnen und Anwälte, die wissen wollen, wo ihre Akten landen.
Sicherheitsprinzipien
Sechs Grundsätze ziehen sich durch jeden technischen Entscheid bei JurShare:
Datensparsamkeit
Was nicht gespeichert wird, kann nicht gestohlen werden.
Defense‑in‑Depth
Mehrere unabhängige Schutzschichten, statt einer perfekten.
Least Privilege
Jede Komponente hat genau die Rechte, die sie braucht – keine mehr.
Privacy by Design
Die Plattform ist so gebaut, dass Privatsphäre bereits zur DNA gehört und nicht als eine zuschaltbare Option angeboten wird.
Schweiz First
Hosting, Zuständigkeit, Recht und Gerichtsstand: Schweiz.
Auto‑Erasure
Daten haben ein Verfallsdatum – per Default und unwiderruflich.
Architektur im Überblick
JurShare ist eine bewusst schmal gehaltene Plattform. Statt ein riesiges Microservice-Geflecht bauen wir auf wenige, gut verstandene Komponenten – und schützen jede einzelne von ihnen.
Die folgenden Abschnitte beleuchten jede Schicht im Detail – von unten nach oben.
Datenhaltung & Löschung
JurShare ist ein Übermittlungsweg, kein Archiv. Jede Freigabe und jede Dokumentenanfrage hat ein Ablaufdatum. Ein Löschlauf entfernt abgelaufene Freigaben samt Dateien stündlich. Was bleibt, ist das Zugriffsprotokoll – damit der Nachweis auch nach der Löschung möglich ist.
4.1 Wie das technisch funktioniert
Hochgeladene Dateien werden in einer dedizierten Dateiablage auf dem Server in der Schweiz gespeichert, getrennt von der Datenbank mit Konto- und Metadaten. Für jede Datei berechnet JurShare beim Hochladen eine SHA-256-Prüfsumme.
| Vorgang | Regel |
|---|---|
| Gültigkeit | Jede Freigabe und jede Dokumentenanfrage erhält ein Ablaufdatum von höchstens 90 Tagen. Unbefristete Links sind nicht möglich. |
| Löschlauf | Stündlich werden abgelaufene Freigaben und Dokumentenanfragen gelöscht – einschliesslich aller zugehörigen Dateien. |
| Abgebrochene Uploads | Nicht abgeschlossene Freigaben und temporäre Upload-Teilstücke werden nach einem Tag entfernt. |
| Manuelle Löschung | Löscht die Kanzlei eine Freigabe, ist der Link sofort ungültig und die Dateien werden entfernt. |
| Zugriffsprotokoll | Bleibt nach Ablauf oder Löschung erhalten und enthält Freigabe- und Dateinamen, Zeitpunkte, IP-Adressen, Geräteangaben und SHA-256-Prüfsummen – aber keine Dokumentinhalte. |
4.2 Was bedeutet das für die Praxis
- Kurze Lebensdauer: Vertrauliche Inhalte liegen nur für die Dauer der Übermittlung auf dem Server – nicht Monate oder Jahre wie in einem Postfach.
- Keine Auswertung: Inhalte werden weder analysiert noch indexiert noch für das Training von KI-Modellen verwendet. Die einzige automatische Verarbeitung ist die Virenprüfung.
- Nachweis ohne Inhalt: Das Zugriffsprotokoll belegt, wer wann welche Fassung erhalten hat, ohne die Dokumente selbst aufzubewahren.
- Übernahme in die Akte: Eingereichte Unterlagen sollten vor Ablauf einer Dokumentenanfrage in die Kanzleiakte übernommen werden – danach sind sie gelöscht.
Persistente Daten – also Konto-Stammdaten, Konfigurationen, Vertragsmetadaten und Audit-Logs – werden separat in einer relationalen Datenbank gehalten. Sie enthält keine Dokumentinhalte.
Betriebssystem & SELinux
Die Server-Basis ist Rocky Linux 10 – eine binärkompatible, Community-getragene Distribution mit langem Support-Zyklus, hoher Stabilität und transparenter Update-Politik. Wir setzen Rocky bewusst statt einer kommerziellen Distribution ein, weil wir keine Kompromisse bei Lizenz- oder Subscription-Fragen wollen.
5.1 SELinux im Enforcing-Modus
SELinux (Security-Enhanced Linux) ist auf jeder Server-Instanz im Modus enforcing aktiviert – nicht permissive, nicht disabled. Das bedeutet: Selbst wenn ein Angreifer die JurShare-Anwendung kompromittieren könnte, kann der kompromittierte Prozess nur jene Aktionen ausführen, die seine SELinux-Policy ihm explizit erlaubt.
Konkret heisst das:
- Der JurShare-Prozess kann nur auf Verzeichnisse zugreifen, die mit dem entsprechenden Type-Label versehen sind.
- Versuche, ungewöhnliche Operationen auszuführen, werden im
audit.logprotokolliert. - Auch ein root-Prozess innerhalb eines kompromittierten Containers ist durch die SELinux-Domäne eingeschränkt.
5.2 Weitere OS-Härtung
- Minimale Installation: Nur explizit benötigte Pakete, keine GUI, keine Office-Tools, kein Compiler auf produktiven Maschinen.
- Kernel-Härtung: sysctl-Parameter für Netzwerk-Stack-Hardening, ASLR im Maximal-Modus, Kernel-Module-Loading restriktiv konfiguriert.
- SSH-Zugang: Nur über öffentlichen Schlüssel, kein Passwort-Login, kein Root-Login, MFA für Admin-Sessions.
- Firewalld als Host-Firewall mit Default-Deny-Politik; nur explizit benötigte Ports sind offen.
- fail2ban als Intrusion-Detection-System (IDS): wertet Server- und Anwendungs-Logs in Echtzeit aus und blockiert wiederholte Angriffsmuster automatisch via Firewall-Regel.
- Auditd protokolliert sicherheitsrelevante Systemereignisse separat vom Anwendungs-Log.
Containerisierung mit Podman
Die JurShare-Anwendung läuft nicht direkt auf dem Host, sondern in einem isolierten Container. Wir verwenden bewusst Podman statt Docker – aus mehreren Gründen.
6.1 Warum Podman
- Rootless by Default: Podman benötigt keinen privilegierten Daemon. Der Container-Prozess läuft mit den Rechten eines unprivilegierten Users.
- Kein zentraler Daemon als Single Point of Failure und als Angriffsfläche.
- Native systemd-Integration für sauberes Lifecycle-Management.
- OCI-konform, austauschbar, ohne proprietäre Lock-Ins.
6.2 Container-Härtung im Detail
- Read-only Root-Filesystem: Der Container läuft mit
--read-only. Schreibzugriffe sind nur auf explizit eingerichtete Volumes für Dateiablage und Datenbank möglich. - Capabilities reduziert: Wir starten den Container mit
--cap-drop=ALLund fügen nur die zwingend nötigen Capabilities hinzu. - Kein Privileged-Mode: niemals
--privileged. Niemals. - Seccomp-Profile beschränken die zugänglichen Syscalls auf das unbedingt Notwendige.
- User-Namespace-Mapping: Selbst ein root-Prozess im Container ist auf dem Host ein unprivilegierter User.
- Reproducible Builds: Container-Images werden aus signierten Quellen reproduzierbar gebaut. Die Bild-Digests werden protokolliert.
- Image-Scanning: Vor dem Deployment werden Images auf bekannte Schwachstellen gescannt.
- Immutable Deployment: Container werden nicht modifiziert, sondern als Ganzes ersetzt. Patches führen zu neuen Images, nicht zu in-place Updates.
Zusätzlich greift hier die SELinux-Policy aus § 5 auch innerhalb des Container-Kontexts – ein doppelter Boden.
Kryptografie & Verschlüsselung
7.1 Verschlüsselung in transit
| Aspekt | Implementierung |
|---|---|
| Protokoll | TLS 1.3 bevorzugt; TLS 1.2 für ältere Clients; ältere Versionen deaktiviert |
| Cipher Suites | Nur AEAD-Cipher: TLS_AES_256_GCM_SHA384, TLS_CHACHA20_POLY1305_SHA256, TLS_AES_128_GCM_SHA256 |
| Forward Secrecy | Aktiviert; Schlüsselaustausch via X25519 / ECDHE |
| Zertifikat | Zertifikat einer öffentlich anerkannten Zertifizierungsstelle, automatische Erneuerung |
| HSTS | Strict-Transport-Security mit langem max-age, preload-Listing |
| Header | X-Content-Type-Options, X-Frame-Options und Referrer-Policy; Downloads werden mit einer Sandbox-Content-Security-Policy ausgeliefert |
7.2 Verschlüsselung at rest
Dateiablage und Datenbank (Konto-Stammdaten, Konfigurationen, Audit-Logs) liegen auf mit AES-256 verschlüsselten Datenträgern. Die Schlüssel werden getrennt von den Daten verwaltet.
7.3 Passwort-Schutz
Benutzerpasswörter werden mit modernen, speicherharten Hash-Verfahren (Argon2id mit konservativen Parametern) gehasht. Salt pro Eintrag, kein gemeinsamer Pepper-Leak-Vektor. Datenfreigaben mit Passwortschutz nutzen den gleichen Standard.
7.4 Schlüsselrotation
Verschlüsselungsschlüssel werden in regelmässigen Abständen rotiert. Bei Verdacht auf Kompromittierung erfolgt die Rotation sofort und ohne Diskussion.
Authentifizierung & Zugriff
- Passwort-Speicherung: Konto- und Freigabe-Passwörter werden ausschliesslich als Argon2-Hash gespeichert, nie im Klartext.
- Zwei-Faktor-Anmeldung via TOTP (RFC 6238) mit jeder gängigen Authenticator-App.
- Session-Management: HTTP-only-Cookies; Zugriffstoken mit 15 Minuten Lebensdauer; das Erneuerungstoken ist SameSite-Strict und nur für den Erneuerungs-Endpunkt gültig.
- Brute-Force-Schutz: Argon2 macht jeden Rateversuch teuer; Bestätigungscodes verfallen nach fünf Fehlversuchen; wiederholte Angriffsmuster sperrt fail2ban auf Server-Ebene.
- Zugriff für Administrierende der Swissmakers GmbH erfolgt ausschliesslich über Zwei-Faktor-Authentifizierung, separate Admin-Konten und nur über VPN aus festgelegten IP-Bereichen.
- Strikte Trennung: Jedes Konto sieht ausschliesslich die eigenen Freigaben, Dokumentenanfragen und Zugriffsprotokolle.
- Outlook-Add-in: erhält einen eigenen, widerrufbaren Zugangsschlüssel, der nur Freigaben des eigenen Kontos verwalten darf – ohne Administrationsrechte. Eine Passwortänderung trennt alle Verbindungen.
- Audit-Trail jedes administrativen Zugriffs (siehe § 13).
Schadsoftware-Prüfung
Jede über JurShare hochgeladene Datei wird automatisch auf Schadsoftware geprüft, bevor sie geteilt werden kann – bei Freigaben der Kanzlei ebenso wie bei Uploads der Mandantschaft und bei Nachreichungen:
- ClamAV mit laufend aktualisierten Signaturen als Prüf-Engine.
- Prüfung direkt nach dem Upload: Jede Datei wird unmittelbar nach dem Hochladen an den Scanner gestreamt. Das Ergebnis erscheint pro Datei: «Unbedenklich» oder der erkannte Befund.
- Blockierung: Solange eine Datei infiziert ist oder noch geprüft wird, lässt sich die Freigabe nicht abschliessen. Betroffene Dateien können entfernt und die übrigen geteilt werden.
- Archive: ClamAV prüft auch den Inhalt gängiger Archivformate wie ZIP.
- Prüfsiegel: Sind alle Dateien einer Freigabe geprüft und unbedenklich, sehen die Empfangenden den Hinweis «Mit ClamAV geprüft und keine Bedrohungen gefunden».
Die Erreichbarkeit des Scanners wird laufend überwacht. Dateien, die – etwa während einer Störung – nicht geprüft werden konnten, erhalten kein Prüfsiegel.
Netzwerk- & Edge-Sicherheit
- Web Application Firewall (WAF) auf der Edge filtert Angriffe gemäss OWASP Top-10 (SQL-Injection, XSS, Command-Injection, Path-Traversal etc.) und verfolgt eine Default-Deny-Politik.
- DDoS-Schutz auf Netzwerk- und Anwendungsebene; Verkehrsmuster werden kontinuierlich analysiert.
- Rate Limiting pro IP, pro Konto und pro Endpunkt.
- Bot-Mitigation: Verdächtige Automatisierung wird identifiziert und ausgebremst.
- IP-Whitelisting für Admin-Zugänge: Administrative Schnittstellen sind von aussen nicht erreichbar.
- Netzwerk-Segmentierung: Anwendungs-, Datenbank- und Management-Netze sind physisch oder logisch getrennt.
- Egress-Filtering: Der JurShare-Container darf nicht beliebig nach aussen kommunizieren – ausgehende Verbindungen sind explizit allowlisted.
Patch-Management
- Sicherheitsupdates des Betriebssystems werden, sobald von Rocky Linux verfügbar, in einem mehrstufigen Prozess (Test → Staging → Produktion) eingespielt – kritische Patches innerhalb von 24 Stunden, weniger kritische innerhalb von 7 Tagen.
- Container-Images werden regelmässig neu gebaut – idealerweise nächtlich – um die jeweils aktuellen Basisschichten zu enthalten.
- Anwendungs-Abhängigkeiten werden durch ein automatisches Dependency-Audit überwacht. Bekannte Schwachstellen (CVEs) werden zeitnah adressiert.
- Zero-Day-Bedrohungen erhalten ausserplanmässige Hot-Fixes, sobald verlässliche Informationen oder Patches verfügbar sind.
- Patch-Logs dokumentieren, was wann von wem eingespielt wurde – revisionssicher.
- Rollback-Pfad: Jeder Patch kann im Fehlerfall innert Minuten zurückgenommen werden.
Logging, Monitoring & Audit
13.1 Audit-Log für die Kanzlei
Jeder Zugriff auf eine Freigabe wird mit Zeitstempel, IP-Adresse sowie Browser, Betriebssystem und Gerät protokolliert und ist im Konto einsehbar – pro Freigabe und als Gesamtübersicht, exportierbar als CSV und druckbar als PDF:
- Erstellen einer Freigabe
- Öffnen einer Freigabe durch Empfangende
- Passwortabfrage – erfolgreich oder fehlgeschlagen
- Vorschau und Download einzelner Dateien, jeweils mit SHA-256-Prüfsumme
- Download der gesamten Freigabe als ZIP
- Bei aktiver Empfänger-Verifizierung: die bestätigte E-Mail-Adresse der zugreifenden Person
Einträge bleiben auch nach Ablauf oder Löschung der Freigabe erhalten. Auf Wunsch benachrichtigt JurShare die Kanzlei per E-Mail, sobald eine Freigabe geöffnet oder heruntergeladen wird.
13.2 System-Monitoring
- SIEM (Security Information and Event Management): Sicherheitsrelevante Ereignisse aus Anwendung, Container, Host, fail2ban und SELinux laufen zentral auf, werden korreliert und auf Anomalien geprüft. Auslösende Ereignisse erzeugen Alarme an die Bereitschaft.
- Anomalie-Erkennung: Ungewöhnliche Last, ungewöhnliche Zugriffsmuster, ungewöhnliche Geo-Verteilung lösen Alarme aus.
- Server-Metriken werden kontinuierlich überwacht.
- Sicherheits-Logs (auditd, SELinux-Denials, fail2ban-Aktionen) fliessen in das SIEM und werden dort korreliert.
- 24/7-Bereitschaft für sicherheitsrelevante Alarme.
- Log-Aufbewahrung: Audit-Logs in der Kanzlei-Sicht 12 Monate (verlängerbar); System-Sicherheits-Logs gemäss interner Aufbewahrungsrichtlinie, orientiert an etablierter Industriepraxis.
Hosting in der Schweiz – ohne Kompromiss
Die gesamte JurShare-Infrastruktur befindet sich physisch in der Schweiz, in einem Schweizer Rechenzentrum eines Schweizer Anbieters ohne Konzern-Verbindungen zu ausländischen Hyperscalern (Cloud-Dienstanbieter).
- Physische Sicherheit nach Standards des Rechenzentrumsbetreibers: Zutrittskontrolle, Videoüberwachung, redundante Stromversorgung, Brandschutz, Klimatisierung.
- Keine Hyperscaler: Wir nutzen weder AWS, Azure noch Google Cloud – auch nicht für Backups, Logs oder Monitoring.
- CLOUD-Act-Schutz: Da weder die Anbieterin noch der Hosting-Provider unter US-Jurisdiktion stehen, ist die Plattform dem US CLOUD Act nicht unterworfen.
- Kein Speicherort im EU-Ausland: Auch innerhalb der EU bzw. des EWR werden keine Inhaltsdaten gespeichert.
- Souveränität in der Schweiz: Behördliche Zugriffe erfolgen ausschliesslich über schweizerische Rechtshilfe – mit allen damit verbundenen Schutzschritten.
Backup & Notfallwiederherstellung
15.1 Was wird gesichert
Wir sichern nicht die Inhaltsdaten: Dokumente sind befristet und sollen mit Ablauf der Freigabe unwiderruflich verschwinden – auch aus Sicherungskopien. Was wir sichern, sind:
- Konto- und Konfigurationsdaten (verschlüsselt)
- Audit-Logs (verschlüsselt)
- Vertrags- und Buchhaltungsdaten
- System-Konfigurationen für Wiederherstellung
15.2 Wie wir sichern
- Ausschliesslich in der Schweiz, an mehreren physisch getrennten Standorten.
- Verschlüsselt mit AES-256, Schlüsselverwaltung getrennt.
- 3-2-1-Regel: drei Kopien, zwei verschiedene Medien, eine Off-Site-Kopie.
- Regelmässige Wiederherstellungstests: Mindestens vierteljährlich wird die Wiederherstellung getestet.
- RTO / RPO: Recovery-Ziele definiert, dokumentiert und im Notfallplan hinterlegt.
15.3 Notfallplan
Ein dokumentierter Business-Continuity- und Disaster-Recovery-Plan beschreibt das Vorgehen bei Zwischenfällen verschiedener Schwere. Der Plan wird mindestens einmal jährlich getestet und aktualisiert.
Bedrohungen & Gegenmassnahmen
Die folgende Übersicht ordnet typischen Bedrohungsszenarien die jeweiligen Schutzschichten zu:
| Bedrohung | Gegenmassnahme |
|---|---|
| Diebstahl/Beschlagnahmung von Festplatten | Verschlüsselte Datenträger (AES-256), Schlüssel separat verwaltet; Inhalte befristet auf höchstens 90 Tage und nicht in Sicherungskopien enthalten. |
| Kompromittierung der JurShare-Anwendung | SELinux-Confinement, rootless Container, capability-reduzierter Prozess, read-only Filesystem, Egress-Filter. |
| Brute-Force gegen Sharing-Links | 16-stellige Zufallskennung; Passwortpflicht mit Argon2-Hash; Ablauf nach höchstens 90 Tagen; Fehlversuche im Audit-Log hervorgehoben. |
| Malware-Upload durch Mandantschaft | ClamAV-Prüfung jeder Datei vor dem Teilen; Blockierung infizierter Freigaben; Prüfung von Archivinhalten. |
| Phishing & Account-Takeover | Zwei-Faktor-Anmeldung (TOTP); kurzlebige Zugriffstoken; widerrufbare Outlook-Verbindungen; Anomalie-Erkennung; Audit-Log. |
| Insider-Risiko bei Anbieterin | Need-to-know; Vier-Augen-Prinzip für sensitive Aktionen; Trennung Anwendung/Schlüsselverwaltung; Audit-Trail jedes Admin-Zugriffs. |
| DDoS-Angriffe | Edge-WAF mit DDoS-Schutz; Rate-Limiting; Anomalie-Erkennung; redundantes Setup. |
| Behördlicher Zugriff aus dem Ausland | Schweizer Hosting; Schweizer Anbieter; keine Hyperscaler; rechtliche Zuständigkeit ausschliesslich Schweiz. |
| Lieferketten-Kompromittierung | Reproducible Builds; signierte Quellen; Image-Scanning; Dependency-Audit; Rollback-Fähigkeit. |
| Datenleck durch falsche Empfänger | Passwort über einen zweiten Kanal; optionale Empfänger-Verifizierung per E-Mail-Code; klare Audit-Spur; sofortiger Widerruf. |
Compliance & Standards
JurShare wurde im Hinblick auf die für Schweizer Anwaltskanzleien und Notariate relevanten rechtlichen und technischen Rahmenbedingungen entwickelt:
Eine separat dokumentierte Auftragsverarbeitungsvereinbarung (AVV) regelt das Verhältnis als Auftragsbearbeiterin gegenüber der Kanzlei (verantwortliche Stelle). Sie ist öffentlich einsehbar und kann direkt mit dem Vertragsabschluss übernommen werden.
JurShare orientiert sich an den Sicherheitsanforderungen, die das Projekt Justitia 4.0 für die Plattform justitia.swiss definiert. Die Härtung von Betriebssystem, Container und Anwendung führen wir selbst durch. JurShare ist kein Ersatz für justitia.swiss und beansprucht nicht, dem BEKJ-Obligatorium zu unterstehen.
Vulnerability Disclosure
Wir nehmen verantwortungsbewusst gemeldete Sicherheitslücken sehr ernst.
- Meldekanal: security@jurshare.ch
- Safe Harbor: Forschende, die sich an die hier publizierten Regeln halten, müssen keine rechtlichen Konsequenzen befürchten.
- Reaktionszeiten: Empfangsbestätigung innerhalb von 72 Stunden, erste inhaltliche Antwort innerhalb von 7 Werktagen.
- Anerkennung: Mit Einverständnis der Meldenden führen wir eine Security Hall of Fame.
Was nicht erwünscht ist: Massen-Scanning ohne vorherige Absprache, Tests, die andere Nutzende beeinträchtigen, Tests gegen Produktionssysteme von Kanzleikunden ohne deren Zustimmung, Social-Engineering gegen Mitarbeitende, physische Tests.
Kontakt & Versionierung
Dieses Whitepaper wird regelmässig überarbeitet. Wesentliche Änderungen werden Bestandskunden per E-Mail mitgeteilt. Die jeweils aktuelle Version ist unter jurshare.ch/sicherheit abrufbar.
| Aspekt | Kontakt |
|---|---|
| Sicherheitsmeldungen | security@jurshare.ch |
| Datenschutz-Anfragen | datenschutz@jurshare.ch |
| Allgemeine Anfragen | kanzlei@jurshare.ch |
| Anbieterin | Swissmakers GmbH, Riedernstrasse 58, 3027 Bern · UID CHE-333.686.405 |
Fragen zur Sicherheits-Architektur?
Wir nehmen uns gerne Zeit für ein technisches Tiefen-Gespräch mit Ihren IT-Sicherheitsverantwortlichen. Buchen Sie ein Demo-Gespräch oder schreiben Sie direkt unserem Sicherheits-Team.
Stand: September 2026 · Version 1.1